Die Sankt Petri Kirke
Die deutsche Sankt Petri Kirche ist die älteste Kirche der Stadt Kopenhagen und zum ersten Mal 1304 urkundlich
erwähnt.
Nach der Reformation wurden hier keine Gottesdienste mehr abgehalten und das Haus fungierte als Kanonen-
und Glockengießerei, bis König Friedrich II. sie 1585 seiner wachsenden lutherischen deutschsprachigen Gemeinde überließ.
Durch zwei Anbauten im 17. Jahrhundert wurde die bescheidene Mittelalterkirche zu einer Kreuzkirche mit Barockelementen.
Die Sankt Petri Kirche war eine von 8 Gotteshäusern, wo deutsch gepredigt, getauft und gesungen wurde. Heute ist
nur noch sie, zusammen mit der deutsch-reformierten Kirche, übrig geblieben. Im 18. Jahrhundert erlebte die Kirche
den Höhepunkt ihrer Geschichte, als sie im stark deutsch geprägten aristokratischen und bürgerlichen
Milieu der Hauptstadt zur mondänsten aller Kirchen wurde, wo die führenden Familien der Bernstorffs, Schimmelmanns,
von Plessens und Reventlows hier dem Gottesdienst beiwohnten. Das Gebäude wurde zwei Mal schwer beschädigt,
beim Brande 1728 und beim englischen Bombardement 1807. Davon hat sie sich eigentlich nie richtig erholt. Eine laienhafte
Restaurierung 1865 und eine Totalrenovierung 1995-2000 haben viele historische Zeugnisse beseitigt oder verändert.
Die Turmspitze stammt aus dem Jahre 1756 und gilt als der vornehmste Barockturm der Stadt mit den vielen Türmen.
Sankt Petri Kirche gehört heute dem dänischen Staat.
Ein Rundgang im historischen deutschen Teil des Latinerviertels
Um die deutsche Sankt Petri Kirche bildeten sich im Laufe der 400 Jahre eine Anzahl von Einrichtungen, die naturgemäß zu
einer Kirche gehörten. Dass die Kirche engster Nachbar der Universität war, hat vielleicht auch einen Einfluss
gehabt.
Von der Sankt Peders Stræde aus links neben der Kirche befinden sich die beiden Grabkapellen, die eingerichtet
wurden, als der kleinste Friedhof der Innenstadt zu klein wurde für die vielen deutschen und niederländischen
Einwanderer. Die schönen Barockkapellen von 1648 bis 1681 beherbergen unterirdische
Krypten und ebenerdige Nischen
sowie ein Kräutergarten genanntes Innenhöfchen. Hier sind viele namhafte Adelige und Bürger beerdigt
worden und in den Kapellen spiegelt sich die dänische Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts in anschaulicher
Weise. Beispiele sind Ernst Berling, Nikolaj Eigtved, Dr. Johann Friedrich Struensee und Ernst Graf Schimmelmann.
An der Ecke der Sankt Peders Stræde und der Larslejsstræde liegt die alte Residenz des Hauptpastors. Das
denkmalsgeschützte Gebäude stammt von 1822. Das einstöckige Nebengebäude war der Pferdestall und
die Wohnung des Kirchenpförtners.
Rechts neben der Pfarrei in Nr. 4 haben wir die ehemalige Mädchenschule, die von dem Sohn des Malers Eckersberg,
Jens Juel Eckersberg, stammt. Sie wurde 1858 eingeweiht und erst nach dem zweiten Weltkrieg ganz aufgegeben.
Schräg gegenüber, etwa entsprechend den Hausnummern 5-9, lagen die Häuser des Kantors, der beiden Totengräber
und des Bälgentreters.
Das Haus Nr. 3 war von 1734 bis 1899 die St. Petri Knaben-Kirchenschule, die ursprünglich
in der Nørregade 21, da wo heute das Telefonhuset steht, gelegen hat. Die Schule wuchs im 18. und 19. Jh. sehr
stark bis auf über 400 Schüler und erst gegen Ende des Jahrhunderts fiel die Schülerzahl. Die Freischüler
mussten beim Gottesdienst mithelfen, u.a. beim Chorgesang.
Daneben auf dem Grundstück des Eckhauses (Holzhandlung Aage Bruun) stand im 17. Jahrhundert einer der beiden
Pfarrhöfe.
Geht man in die Larslejsstræde, so hat man links auf dem Gelände des alten Pestfriedhofs von 1711 (der
Gemeinde starben damals 1100 Mitglieder) die heutige Sankt Petri Schule (Nr.5), eine dänisch-deutsche Privatschule,
die ihren Ursprung auf die Knaben-Kirchenschule von 1575 zurückführen kann. Das Gebäude stammt von dem
in Hamburg geborenen Schularchitekten Levy und wurde 1900 in Gebrauch genommen für die damalige Knaben-Realschule
und die Knaben-Kirchenschule. Die Schule hat durchschnittlich immer etwa 300 Schüler gehabt.
Neben dem Schulhof haben wir in Nr. 7 die Nachfolgerin von drei sozialen Einrichtungen. Das Sankt Petri Pflegeheim
für arme ältere Gemeindemitglieder aus dem 17. Jh., die Peltsche Stiftung des reichen Zuckersieders Abraham
Pelt aus dem Jahre 1780 und die Stiftung des Gewürzhändlers Winand Thyme von 1775. Diese drei Stiftungen
wurden nach dem Kopenhagener Bombardement zusammengelegt in einem Gebäude, das jedoch wegen des Schulbaus 1898
wieder abgerissen und durch ein neues, das jetzige, ersetzt wurde. Heute gibt es keine Alten in diesem Hause mehr.
Ein Haus weiter, Nr 9, und wir haben das heutige Pastorat aus dem Jahre 1938. Im Haus gibt es noch eine Küsterwohnung,
einen Gemeindesaal und das Petersensche Jungfrauenkloster von 1768, das hierher umzog, als das alte Gebäude am
Amagertorv zu baufällig wurde. Das Kloster ist eine fromme Stiftung zweier Kaufmannsbrüder.
Wenn wir zurück in die Sankt Peders Stræde bis Nr. 32 nach rechts gehen, haben wir die Vorläuferin
der Mädchenschule von Nr. 4, die Sankt Petri Kirchen-Mädchen-Lehr- und Arbeitsschule für 50-60 arme
Mädchen von 1808-1857. Auch ein kleines Institut für "höhere Töchter" war zeitweilig
im Haus untergebracht.
Von hier kann man in die südliche Parallelstraße, die Studiestræde, gehen und wenn man vor dem Grundtvigshus
(Nr. 36) steht, kann man sich kaum vorstellen, dass hier im 18. Jahrh.. ein verfallenes Häuschen lag, wo zum ersten
Mal in Kopenhagen koedukativ unterrichtet worden ist.
Der Pfarrer Balthasar Münter richtete hier 1771 eine Schule
für Straßenkinder — Jungen und Mädchen - ein, die am Vormittag unterrichtet wurden und am Nachmittag
spinnen und stricken mussten. Sie wurden vom jungen Schulmeister Huthselsieder und seiner Frau betreut.
Geht man die Studiestræde zurück nach Osten, stehen mit den Nummern 7 und 13 zwei ehemalige Professorenhöfe
auf der rechten Seite. In Nr. 7 wohnte bis 1795 der berühmte Professor der Physik und Medizn Christian G. Kratzenstein,
der mit Elektromagnetismus experimentierte und dessen Schüler H.C. Ørsted war. In Nr. 13 wohnte zu selben
Zeit der Geschichtsprofessor Johann Heinrich Schlegel, ein Mitglied der bekannten Familie Schlegel, der die Königliche
Bibliothek in Kopenhagen organisierte.